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Lifestyle · · 7 Min. Lesezeit

Drei Yachtrouten ab Puerto Portals — meine Lieblingstörns

Yacht ankert in einer ruhigen Bucht an der Westküste Mallorcas mit Sa Dragonera im Hintergrund
01 / 03 Beitrag Lifestyle

Drei Routen ab Puerto Portals, die ich jedes Jahr fahre — Süden, Westen, Tramuntana. Mit Ankerplätzen, Wetterfenstern und je einer Geschichte pro Route.

Wer ab Puerto Portals ablegt, hat drei sehr unterschiedliche Mallorcas vor sich. Im Süden flache Buchten und Salzlagunen. Im Westen Steilküste, Dragonera und ein einsamer Hafen. Im Norden die Tramuntana-Berge, die bis ans Wasser fallen. Welche Richtung am richtigen Tag passt, entscheidet weniger das Reiseziel als der Wind — und welche Bucht am Abend wirklich Schutz bietet. Drei Routen, die ich seit Jahren regelmäßig fahre, mit ihren Eigenheiten und je einer Geschichte.

Route 1: Süden — Cala d’Or, Porto Petro, Cabrera am Horizont

Bei Mistral oder kräftigem Tramuntana-Wind aus Norden ist die Südküste die richtige Wahl. Wetterfenster: Wind aus Nord oder Nordost, See unter einem halben Meter, klassisch zwischen Mai und Juni oder im September. Bei Sonneneinstrahlung über 30°C werden die flachen Buchten ab Mittag voll.

Ablegen gegen 9:30 in Puerto Portals, Kurs Süd-Südost entlang der Küste. Erster Anker etwa 11:30 in Cala Pi, einer schmalen Schlucht-Bucht mit weißem Sand und kristallklarem Wasser über Sandgrund. Hier hält der Anker zuverlässig. Drei bis vier Stunden Schwimmen, Brunch an Bord, dann weiter Richtung Cala d’Or oder gleich nach Porto Petro.

Mein Tipp für Übernachtung: Porto Petro ist der ruhigere, atmosphärischere Hafen — ein altes Fischerdorf, das nicht überrenoviert wurde. Liegeplätze auf Anfrage in der Saison knapp; in der Nebensaison (Mai, September) meist möglich. Die Restaurants am Hafen sind solide, nichts Sterne-Niveau, aber ehrlich. Wer mehr Trubel will, fährt in Cala d’Or ein — größere Marina, mehr Auswahl, weniger Charme.

Für Ambitionierte: bei stabilem Wetter und früher Ablegezeit ist Cabrera machbar — Naturschutz-Inselgruppe südlich der Hauptinsel, voranmeldungspflichtige Liegeplatzgebühr, dafür eine Stille, die man auf Mallorca selbst kaum noch findet. Anker nicht erlaubt; nur die ausgewiesenen Bojen. Die Genehmigung über die Reserva Marina sollte zwei bis drei Wochen im Voraus gestellt sein.

Persönliche Geschichte: Vor drei Jahren bin ich im September nach einem Charter spontan nach Cabrera gefahren, allein, mit einer 13-m-Segelyacht. Drei Tage keine Nachrichten, keine Marina-Lautsprecher, der einzige Mensch der Wachposten am Leuchtturm. Ich erinnere mich an wenige Tage in zehn Jahren so genau wie an diesen.

Route 2: Westen — Andratx, Sa Dragonera, Sant Elm

Bei stabilem Westwetter und Wind aus Süd oder Südwest ist die Westküste die Königsdisziplin. Wetterfenster: ruhige See, Wind unter 15 Knoten aus Süd, am besten Mitte Juni oder Mitte September. Bei Tramuntana aus Norden wird die Strecke zwischen Andratx und Dragonera unangenehm.

Ablegen gegen 8:30 — diese Route lohnt sich nur, wenn Sie früh starten und das Tageslicht für die Rückfahrt nutzen. Erste Etappe nach Puerto Andratx: knapp eine Stunde, einer der schönsten kleinen Häfen Mallorcas mit fjordartiger Einfahrt und einer Reihe guter Restaurants direkt am Wasser. Wer mag, ankert davor in Cala Llamp oder fährt direkt in den Hafen.

Von Andratx weiter nach Sa Dragonera, der Insel im Naturschutzgebiet vor der Westspitze. Anker auf der Lee-Seite (Ostseite) ist möglich, aber innerhalb des Naturparks gelten Bojenpflicht und Anlegeverbot an den Klippen. Die Bojen sind im Sommer schnell belegt; wer dort liegen will, ist um 10:30 zu spät dran. Alternativ: außerhalb der Schutzzone weiterfahren und vor Sant Elm ankern, einem unscheinbaren Dorf mit einem der besseren Strand-Restaurants der Westküste — Es Molí d’En Galeta, falls geöffnet, ist seit Jahren mein Mittagsstopp.

Rückfahrt am späten Nachmittag: bei Süd-Sicht klingt der Wind oft ab, die Strecke bis Portals dauert drei bis dreieinhalb Stunden, und die Lichtstimmung an der Westküste zwischen 18:00 und 19:30 ist der eigentliche Grund, diese Route zu fahren. Wer eine Nacht draussen verbringen will: Andratx ist die ehrlichere Wahl als Sant Elm; mehr Optionen, bessere Crew-Versorgung.

Persönliche Geschichte: Mit einer Familie aus München, zweite Charter-Woche, Vater allein an Bord erfahren, Mutter und drei Kinder noch nie auf einer Yacht. Wir sind morgens nach Sant Elm, nachmittags zurück, dazwischen drei Stunden ankern, schwimmen, ein Mittagessen, das die Kinder selbst beim Strand-Restaurant geholt haben. Am Ende der Woche sagte mir die Mutter, das sei der Tag gewesen, an dem die Kinder verstanden hätten, was Yachturlaub eigentlich ist. Es war kein luxuriöser Tag — es war ein einfacher Tag. Das ist meistens das Geheimnis.

Route 3: Tramuntana — Sóller, Cala Tuent

Die Tramuntana ist die spektakulärste Küste Mallorcas — und die kompromissloseste. Wetterfenster: windstill bis leichter Süd, Wellengang unter einem halben Meter, idealerweise zwischen Mitte Mai und Mitte Juni oder Anfang Oktober. Bei Tramuntana-Wind aus Norden ist diese Route nicht zu empfehlen — die Felsen werfen den Wind in unkalkulierbare Böen, und Schutzbuchten sind rar.

Ablegen früh, 8:00, Kurs Nordost. Drei Stunden bis Sóller, vorbei an Bañalbufar, Estellencs, La Foradada (eine Klippe mit einem natürlich entstandenen Felsendurchgang, fotogen). Sóller selbst ist der Hafen der Tramuntana — geschützt, bewirtschaftet, mit dem alten Hafendorf, der historischen Tram nach Sóller-Stadt, einer Reihe guter Restaurants. Liegeplatz in der Hochsaison voraussichtlich knapp; Vorbuchung über die Marina 7–10 Tage im Voraus.

Wer die Distanz nicht zurückfahren will und stattdessen Tagesziel sucht: Cala Tuent nordöstlich von Sóller, eine Halbmond-Bucht mit grobem Kies und tieferem Wasser. Anker bei 10–14 m über Sand möglich, Wind aus West kann hier unangenehm werden. Ein Restaurant am Strand (saisonal), keine Bebauung, klare Sicht auf den Puig Major im Hintergrund. Vier Stunden Aufenthalt, dann zurück Richtung Sóller oder direkt zurück nach Portals — Letzteres bedeutet späten Heimweg im Dunkeln, was an der Tramuntana-Küste nicht leichtfertig zu unterschätzen ist.

Diese Route ist die anspruchsvollste der drei. Sie funktioniert nur bei wirklich gutem Wetter und mit erfahrenem Skipper an Bord. Bei Charter mit gemischter Crew empfehle ich, sie als Zwei-Tage-Trip zu fahren: Sóller über Nacht, am zweiten Tag entspannt zurück.

Persönliche Geschichte: Eine 60-Fuß-Sportfischer-Yacht im Mai. Wir kamen bei Cala Tuent gegen Mittag an, einziger Anker in der Bucht, das Wasser so still, dass die Bordkamera im Wasser den Anker scharf zeigte. Die Mannschaft — vier alte Freunde, die zusammen segeln seit den späten 1980ern — saß zwei Stunden schweigend mit Kaffee und Croissants auf dem Sonnendeck. Niemand fotografierte. Es ist die Sorte von Tag, die eine Charter rechtfertigt.

Vor jeder Route — kurzer Reality-Check

Vier Punkte, die ich mit jedem Eigner und jedem Charter-Gast vor jeder Mallorca-Route bespreche:

  1. Wetter, nicht Wunsch. Die schönste geplante Route hilft nichts, wenn das Wetter sie unbequem macht. Ich entscheide auf Kurzstrecke gerne erst am Vorabend.

  2. Hafen-Verfügbarkeit, nicht Hafen-Romantik. Sant Elm und Cala d’Or sind charmant, aber in der Hochsaison eng. Wer die Nacht garantiert ruhig haben will, plant Andratx oder Sóller mit Reservierung.

  3. Crew-Konstellation. Mit Kindern oder unerfahrener Crew sind die ersten zwei Routen besser als die Tramuntana. Mit erfahrenem Personal und stabilem Wetter ist Sóller das Highlight des Sommers.

  4. Rückfahrtszeit ehrlich. Drei Stunden geplante Rückfahrt heißt vier Stunden mit Pufferzeit. Wer um 22:00 in der Marina sein muss, fährt nicht 19:00 los.

Wenn Sie eine konkrete Route planen — entweder als Charter-Gast oder als Eigner einer Yacht im Heimathafen Portals — schreiben Sie mir gerne. Ich lese die Wetter­modelle, kenne die Buchten, und meistens gibt es einen Tag in den nächsten zwei Wochen, der für genau Ihre Wunschroute der richtige ist. Mehr zu meiner Arbeitsweise auf meiner Profilseite oder direkt über die Charter-Übersicht.

Eine gute Route fängt nicht mit dem Ziel an, sondern mit dem Wind — und mit einer ehrlichen Einschätzung, welcher Hafen am Abend offen hat.

Julian Hoeke

— Julian Hoeke