Die Nordküste Mallorcas ist eine andere Insel als die Bucht von Palma. Die Tramuntana fällt steil ins Meer, die Buchten sind kleiner und intimer, die Wetterdynamik eigenständig — Nachmittags-Thermik aus Nordwest ist verlässlich, Vormittagsstunden meist spiegelglatt. Wer in Hotels wie dem Formentor, Son Brull oder oberhalb von Cala San Vicente wohnt und auf Mallorca-Yachten will, fährt nicht 90 Minuten in die Palma-Marinas zurück — Sie chartern ab Port de Pollença. Die Marina ist kleiner als Portals, kuratiert eine andere Yacht-Klasse, und bietet Zugang zu einem Revier, das viele Mallorca-Charter-Programme komplett auslassen.
Was die Nordküste besonders macht
Die Pollensa-Bucht selbst ist eine der größten geschützten Buchten Mallorcas — kreisförmig, von der Tramuntana eingerahmt, mit langen flachen Sand-Bereichen in der östlichen Hälfte. Cap de Formentor als nördlicher Abschluss ist eine der dramatischsten Klippenkulissen des westlichen Mittelmeers; bei ruhigem Wetter eine 30-minütige Vorbeifahrt mit Photo-Stopp am Leuchtturm, bei Wellenlage eine ernsthaftere Yacht-Aufgabe.
Cala San Vicente, fünf Kilometer nördlich, ist die ruhigere Schwester-Bucht — kleiner, intimer, mit zwei Strand-Restaurants und einer guten Anker-Linie. Cala Murta auf Formentor ist nur per Wasser zugänglich; die Mooring-Linie an Playa Formentor wird in Hochsaison kontrolliert vergeben. Wer länger bleibt, fährt zur Alcúdia-Bucht südlich von Pollensa — Wassersport-Center, weite Strände, Familien-Profil.
In Pollensa ist die Yacht-Klasse kleiner, die Bucht aber großzügiger. Andere Insel, andere Mathematik.
Tagesroute: Cap de Formentor
Die Standard-Tagestour ab Port de Pollença ist die Formentor-Runde: ablegen früh, an der Insel Coloms vorbei, Stopp in Cala San Vicente für Vormittags-Schwimmen, weiter zur Cala Murta an der Halbinsel-Westseite. Mittagsessen entweder an Bord oder mit Beiboot-Übersetzung zum Hotel-Formentor- Restaurant. Nachmittag: Cap de Formentor außen umrunden — bei der Klippenkulisse Photo-Stopp, dann auf der Innenseite zurück durch die Pollença-Bucht. Voller 8-Stunden-Tag mit zwei Bade-Stopps und dramatischer Photo-Beute.
Ambitionierte Variante: ab Pollensa westwärts an der Tramuntana-Nordflanke entlang nach Sa Calobra (ca. 2,5 Stunden one-way). Diese Strecke ist eine der dramatischsten Mallorca-Routen — Klippen, schmaler Streifen Festland, vereinzelt sichtbare Wanderwege. Sa Calobra-Ankunft ist eindrücklich: ein enger Schluck zwischen Felsen, mit der Mündung des Torrent de Pareis als natürliche Tor. Tagesrückkehr nach Pollensa möglich, aber strapaziös; besser als 2-Tagestour mit Übernachtung in der Cala Tuent (5 Seemeilen östlich Sa Calobras, ruhigerer Mooring-Spot).
Wetter und Wind-Profil
Die Pollensa-Wetterlage ist eigenständig genug, dass Wettervorhersagen für Palma die Nordküste nur ungefähr abbilden. Hauptmuster: morgens schwach, mittags Nordwest-Thermik 12–18 Knoten, abends abflauend. An Tramontana-Tagen (französische Druck-Wetterlage durch Pyrenäen-Lücke) verstärkt sich der Wind auf 20–30 Knoten — selten mehrere Tage am Stück, aber wenn, dann mit Wellenlage von 1,5–2,5 Metern. Mein Skipper-Hinweis für Charter-Gäste: bei Tramontana-Tagen explizit den Skipper fragen, ob die geplante Route sicher ist. Bei Yachten unter 45 Fuß ist es oft besser, in der Bucht zu bleiben statt auf die Außenseite zu fahren.
Beste Charter-Monate für die Nordküste: Anfang Juni bis Mitte September. Mai und Oktober sind ebenfalls möglich, aber Wassertemperatur und Tageslänge weniger generös. Juli und August sind in Pollensa weniger überlaufen als Palma — die Marina-Belegung erreicht selten 100 %, und Restaurant- Reservierungen am Tag selbst sind häufig noch machbar.
— Julian Hoeke